Essentials of a Customer driven digital Platform

Chapter 03 „Cloud first Strategy“

CDDP

Im vorangegangenen Blog-Beitrag haben wir über die Notwendigkeit eines „clean digital Core“ gesprochen. Das nächste Gestaltungselement, dem wir uns heute widmen wollen, steht mit dem digitalen Kern in enger Verbindung – die „Cloud“.

    Sie revolutioniert die Art und Weise, wie Unternehmen moderne innovative Geschäftsprozesse gestalten und Daten aus externen Datenpools integrieren, und eröffnet dadurch eine Welt voller neuer Möglichkeiten:

    Ihre Möglichkeiten:

    • Skalierbarkeit: Die Cloud-Infrastruktur ermöglicht eine einfache Skalierung der IT-Ressourcen nach oben oder unten, so dass sich Unternehmen an veränderte Anforderungen anpassen und eine Unterauslastung oder Überversorgung vermeiden können.
    • Flexibilität: Cloud Computing ermöglicht den Fernzugriff auf IT-Systeme von jedem Ort aus und erleichtert so die Zusammenarbeit und das Arbeiten von Teams an verschiedenen Standorten.
    • Sicherheit: Cloud-Anbieter setzen häufig eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz ihrer Infrastruktur ein, darunter Verschlüsselung, Firewalls sowie Identitäts- und Zugriffsmanagement, was es für Unternehmen einfacher macht, ihre IT-Systeme zu schützen.
    • Wiederherstellung im Katastrophenfall: Cloud-Anbieter bieten robuste Disaster-Recovery-Funktionen, einschließlich der Sicherung und Replizierung von Daten, mit denen sich Unternehmen schnell von ungeplanten Ausfallzeiten oder Datenverlusten erholen können.
    • Wartung und Upgrades: Cloud-Anbieter kümmern sich um die routinemäßige Wartung und Software-Updates, so dass sich die IT-Mitarbeiter auf andere wichtige Aufgaben konzentrieren können.

    Gerne wird in diesem Zusammenhang das Argument der Kostenersparnis ins Feld geführt:

    durch Cloud Computing müssen Unternehmen nicht mehr in teure Hardware, Softwarelizenzen und Wartung investieren, was zu erheblichen Kosteneinsparungen führen kann. Da dieses Argument zahlreiche Facetten hat und in der Fachwelt konträr diskutiert wird, soll es hier nicht im Vordergrund stehen.

      Unternehmen, die ihre spezifische „Customer driven digital Platform“ aufbauen möchten…

      …sollten eine „Cloud first“-Strategie verfolgen. „Klar“, werden jetzt einige Leser sagen, „das mußte ja kommen. Cloud ist trendy und sollte daher in keinem Fachartikel fehlen, sofern dieser gelesen werden soll.“ Nein, so ist es definitiv nicht. Es gibt – bei allen im Einzelfall durchaus berechtigten Vorbehalten – gute Gründe, diesem Gestaltungsprinzip die nötige Aufmerksamkeit zu widmen.

      Wenn von „Cloud“ die Rede ist, stellt sich unmittelbar die Frage, was damit gemeint ist bzw. um welches Servicemodell es geht:

      • IaaS – Infrastructure as a Service (hierauf beziehen sich die eingangs genannten Vorteile)
      • PaaS – Platform as a Service
      • SaaS – Software as a Service

      IaaS

      Prinzipiell betrifft der Begriff „Cloud first“ alle 3 Servicemodelle, allerdings nicht in der gleichen Weise.

      An IaaS scheiden sich gleich zu Beginn die Geister. Während die einen auf die unbestreitbaren Vorteile eines Outsourcings ganzer IT-Landschaften auf die Serverfarm eines Cloud-Anbieters schwören, finden die anderen hinreichend Argumente, warum es bei ihnen bei den Core-Applikationen nur „on Premise“ geben wird. Die unterschiedlichen Standpunkte und Aspekte sollen hier nicht gegenübergestellt werden. Vielmehr geht es um die Frage, welchen Beitrag IaaS beim Aufbau einer CddP leisten kann. Ein Vorteil gegenüber der „on Prem“-Variante fällt gleich ins Auge: ein Betrieb in der Cloud erlaubt in aller Regel eine lastabhängige Skalierung der benötigten Serverkapazitäten - reduzierte Kapazität in den Nebenzeiten, bedarfsabhängige (automatisierte) Ausweitung zu den Hauptbetriebszeiten und bei besonderen Ereignissen (z.B. Auftragsspitzen) – mit entsprechender Auswirkung auf die Betriebskosten. Wenn es um Schnelligkeit und Anpassungsvermögen geht, hat die IaaS im Vergleich zu „on Prem“ sicher die Nase vorn. Die Beauftragung von mehr Cloud-Kapazität ist bei den Hyperscalern gewöhnlich eine Sache von Minuten; die Beschaffung eines zusätzlichen Servers kann Monate dauern, wenn er angesichts der aktuellen Hardwareengpässe überhaupt geliefert werden kann.

        PaaS

        Wesentlich interessanter wird es, wenn wir uns PaaS zuwenden. Galt vor gut 15 Jahren unter der Regentschaft von Henning Kagermann bei SAP das Dictum „Ihr könnt alles integrieren, wenn es nur von SAP ist“, so ist spätestens mit dem Launch der SAP Cloud Platform (mittlerweile SAP BTP) ein neues Zeitalter angebrochen. SAP öffnet sich im Zuge der digitalen Transformation unter dem Motto „Connecting People, Things, and Businesses“ und positioniert sich auch als PaaS-Serviceprovider. Sie bietet damit eine ganzheitliche Ergänzung zum restlichen Produktportfolio auf dem Weg zum „intelligenten Unternehmen“. Im Bauch der SAP BTP steckt Cloud Foundry, eine quelloffene Plattform as a Service (PaaS), mit der sich Enterprise-Anwendungen bequem entwickeln, ausrollen und skalieren lassen. Die Lösung orientiert sich an DevOps und soll dabei Cloudanwendungen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg automatisieren, skalieren und verwalten. Als Grundlage hierfür dienen unter anderem auch Entwicklungen der Projekte Docker und Kubernetes. Programme können in unterschiedlichsten Sprachen geschrieben und in Container-Images auf beliebigen Infrastrukturen ausgeführt werden. Unterstützt werden dabei Java, Ruby, Node.js, .NET, Python, PHP und Go. Zusätzlich stellt SAP über die BTP digitale Services zur Verfügung, die in Geschäftsprozessen „konsumiert“ werden können. Eine ständig wachsende Anzahl an APIs soll eine standardisierte Vorwärts- und Rückwärtsintegration sicherstellen. Nun eröffnen sich für ein Unternehmen völlig neue Perspektiven, was Design und Umsetzung innovativer Prozesse anbetrifft. War man in der tradierten SAP-Welt auf User-Exits als Ausstiegspunkt für Erweiterungen und auf ABAP als Programmiersprache angewiesen, kann man nun diese Erweiterungen des Cores auf die SAP BTP packen und mit modernsten Technologien und Programmiersprachen umsetzen. Übrigens eine weitere Möglichkeit, den digitalen Kern „clean“ zu halten.

          SaaS

          Womit wir bei SaaS aus der Cloud angekommen wären. Wem nämlich die Möglichkeiten, die die SAP BTP bietet, nicht reichen, der kann sich bei anderen Cloud-Anbietern, insbes. bei den großen Hyperscalern, an den von ihnen angebotenen Services und Applikationen bedienen. Es kann in der Praxis durchaus vorkommen, dass in einem einzigen Geschäftsprozess Services mehrerer Cloud-Anbieter konsumiert werden. Beispielsweise ein Bilderkennungs-Service für Augmented-Reality-Szenarien von Cloudanbieter A und ein kognitiver Service von Anbieter B – alles orchestriert über die SAP BTP. Aber: bei aller Begeisterung über die schier unbegrenzten Möglichkeiten des innovativen Prozessdesigns dürfen die TCO (total cost of ownership) eines Prozesses und die Frage nach geeigneten Monitoring-Instrumenten nicht unbeachtet bleiben.

          Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass eine „Cloud-first Strategy“ großartige Möglichkeiten für die Umsetzung innovativer Geschäftsprozesse bietet.